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Beten und arbeiten im Kloster
Sieben Mönche leben derzeit in der Benediktinergemeinschaft des Klosters Fischingen. Sie richten ihr Leben nach der in der ersten Hälfte des sechsten Jahrhunderts niedergeschriebenen Ordensregel des heiligen Benedikt «bete und arbeite - ora et labora».
Marie-Theres Brühwiler
Fischingen - Von allen Seiten strömen sie herbei, um sich in der St.-Katharina-Kapelle zum Mittagsgebet zu treffen. Bruder Pierre, der in dieser Woche als Vorbeter wirkt, läutet die Glocke zum Gebet. «Mein Herz ist bereit, deine Gesetze zu erfüllen», singen die drei Brüder und drei Patres sowie Pater Leo, der Prior, im Chor. Wenn sich die Mönche zur Mittagshore treffen, so ist dies bereits die dritte Zusammenkunft zum Gebet. Bereits um 5.30 Uhr findet die Matutin und Laudes statt, und um 7 Uhr wird die Eucharistiefeier gehalten.
Nach dem viertelstündigen Mittagsgebet begeben sich die Mönche in den Speisesaal. Während ein Ordensbruder die Mittagslesung hält, nehmen die anderen schweigend ihr Mittagessen ein. Nachmittags widmen sich die Mönche wie schon zwischen den Gebeten am Morgen ihrer Arbeit. Pater Leo führt die Benediktinergemeinschaft als Prior, wirkt in der Leitung des Vereins St. Iddazell mit, übernimmt die Stellvertretungen für Pater Meinrad und betreut aushilfsweise auswärtige Pfarreien. Er führt Eintrittsgespräche oder bereitet Kandidaten und Novizen auf ihre neue Aufgabe vor. Pater Meinrad ist Subprior und betreut die Pfarreien Fischingen und Au als Pfarrer. Der kaufmännisch ausgebildete Bruder Martin führt die Buchhaltung der Benediktinergemeinschaft. Bruder Leo wirkt im Leitungsteam des Bildungshauses mit, und Bruder Pierre führt die Töpferei. Der 75-jährige Pater Stefan, der früher das Bildungshaus leitete, macht bei Bedarf Klosterführungen und übernimmt Aufgaben als Aushilfspriester. Der Älteste im Bunde, der 83-jährige Pater Benno, treibt eifrig Sport und lässt sich immer noch gern für geschichtliche Recherchierarbeiten einspannen.
Gemeinsame und private Gebete
Um 17.45 Uhr treffen sich die Mönche zur Vesper und um 19.30 Uhr zur Komplet. «Wir beginnen den Tag mit Gebet, danken Gott und beenden den Tag so, wie wir ihn begonnen haben», erklärt der Prior. Zwischen den Gemeinschaftsgebeten und der täglichen Arbeit muss jeder Mönch - so will es die Ordensregel der Benediktiner - seine eigene «Lectio divina» oder geistliche Lesung halten. «Da ist man frei, aber eine gute Stunde pro Tag sollte sich schon jeder von uns dem Lesen der Bibel, der Meditation und dem persönlichen Gebet widmen.» Es sei wichtig, dass die Klausur - so heisst der Bezirk, in den sich die Mönche zwischen Arbeit und gemeinsamen Gebeten zurückziehen - ein Ort der Stille sei. «Natürlich wird bei uns auch oft diskutiert, so beim Kaffee nach dem Mittagessen oder nach dem Nachtessen», weiss der Prior, der die Geschicke der Benediktinergemeinschaft seit rund zehn Jahren leitet.
Wurde das Kloster Fischingen früher von Äbten geleitet, so steht der 67-jährige Pater Leo der Gemeinschaft heute als Prior vor. Denn die Ordensregel besagt, dass in einem Konvent von weniger als zwölf Mönchen kein Abt, sondern ein Prior eingesetzt wird. «Die Aufgaben und Funktionen sind aber genau dieselben», erklärt der Prior. So wenig sich ein Prior von einem Abt unterscheidet, so wenig wird in der Gemeinschaft auch zwischen Bruder und Pater unterschieden. Geht es um eine Neuaufnahme oder eine grössere Investition, haben alle das gleiche Stimmrecht, die Patres mit theologischer Ausbildung und Priesterweihe, genauso wie die Brüder, die aus weltlichen Berufen stammen.
Nach Gott suchen
Obwohl jährlich rund zehn Interessenten «Kloster auf Zeit» erleben, gab es seit dem Eintritt von Bruder Pierre vor sechs Jahren kein neues Mitglied mehr in die Gemeinschaft aufzunehmen. «Die Leute stellen sich vor, bei uns in Sicherheit leben zu können.» In erster Linie müssten aber die Kandidaten nicht die Sicherheit, sondern Gott suchen, erklärt der Prior. Für die Zukunft wünsche er sich, dass die im Jahre 1977 wieder belebte Klostergemeinschaft weiterhin existieren könne, respektive dass Fischingen weiterhin ein religiöses Zentrum bleibe. «Dazu sind wir aber dringend auf neue Mönche angewiesen», blickt Pater Leo in die Zukunft.
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