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«Manche nennen uns Bruder»


Ursprünglich als reine Betriebsschreinerei für interne Renovationen ausgerichtet, hat sich die Klosterschreinerei des Vereins St. Iddazell Fischingen im Laufe der Zeit weiter entwickelt und erfüllt heute auch Kundenwünsche ausserhalb des Klosters.


Marie-Theres Brühwiler
Fischingen - «Wir sind mit der Erfüllung denkmalpflegerischer Anforderungen genauso beschäftigt wie mit der Herstellung von Massivmöbeln, die dem aktuellen Geschmack der Kundschaft entsprechen», sagt Beda Klaus, der die Klosterschreinerei Fischingen seit bald 30 Jahren führt. Die Schreinerei deckt ein ausgesprochen breites Spektrum ab. Dadurch sei die Arbeit in der Klosterschreinerei faszinierend und sehr vielseitig. «Wir haben es mit verschiedensten Stilen zu tun, die bis zur Barockzeit zurückreichen», sagt Fabio Braunwalder, der schon seine Lehre in der Klosterschreinerei absolvierte und seinen Arbeitsplatz nach der Ausbildung gleich behalten hat.


Mit Respekt und Hingabe
Die Klosterschreinerei ist ein Betrieb des Vereins St. Iddazell. Im Unterhalt und bei der Erneuerung des Klosters gibt es immer wieder Schreinerarbeiten zu erledigen, bei denen die Erfahrung im Umgang mit historischer Bausubstanz gefragt ist. «Die barocken Türen, Böden und Möbelstücke verlangen beim Restaurieren nicht nur unser ganzes Fachwissen, sondern auch Respekt und Hingabe», erklärt Beda Klaus. Und wie sich der Schreinermeister im viel beachteten Bibliothekssaal an die Auffrischung des wertvollen Bodens macht, strahlen seine Augen. Kein Zweifel, Beda Klaus liebt seine Arbeit. «Ja, ich führe meinen Beruf wirklich sehr gerne aus», nickt er.


Viele Herausforderungen
Besonders gefordert sind die Klosterschreiner, wenn es um Einlegearbeiten, die so genannten Intarsien geht. Die Verarbeitung der oft feinen figürlichen oder ornamentalen Einlagen, die ins Grundholz eingelegt werden müssen, erfordert Sorgfalt und ein ausgesprochenes Fingerspitzengefühl. «Meist geht es hier ebenfalls um Restaurationen. Aber natürlich gibt es in historischen Gebäuden auch neue Böden oder neue Türen anzufertigen», so der Leiter der Schreinerei. Für diese Arbeiten wird ausschliesslich einheimisches Nadel- oder Laubholz verwendet. Denn es gelte, die Originalität möglichst zu erhalten. Die Klosterschreinerei arbeitet bei Renovationen mit der Denkmalpflege von Bund und Kanton zusammen. Ursprünglich als Einmannbetrieb geführt, beschäftigt die Klosterschreinerei heute neben Betriebsleiter Beda Klaus zwei gelernte Schreiner und zwei Lehrlinge. Seit Bruder Leo seine Arbeitsstätte verlegt hat und in das Leitungsteam des Bildungshauses berufen wurde, arbeitet kein Mönch mehr in der Schreinerei. Es habe sich einfach nicht mehr ergeben. «Dafür werden wir von unserer externen Kundschaft hin und wieder mit Bruder angesprochen», schmunzelt Beda Klaus.
Neben Arbeiten in Kloster und Kirche erledigt die Klosterschreinerei auch Aufträge von Privaten. Besonders bekannt ist die Klosterschreinerei durch die Restauration antiker Möbel und die Produktion von Massivholzmöbeln geworden. Biedermeiermöbel hätten die traditionelleren Stile wie Renaissance und Barock etwas verdrängt. «Schlichte Holztische in strengen Formen in Kirschbaum oder dunkleren kräftigen Holzarten sind auch bei der jungen Generation wieder sehr gefragt», weiss der Klosterschreiner, der die Möbelstücke jeweils in den Kreuzgängen des Klos-ters ausstellt und seine Werke hin und wieder auch an Messen und Ausstellungen präsentiert. Mit der Inbetriebnahme der neuen Schnitzelheizung und den dafür erforderlichen An- und Umbauten 1999 konnte Beda Klaus seinen Zeichnungstisch in ein neues grösseres Büro verlegen. Freude hat Beda Klaus nicht nur an gelungenen Arbeiten, sondern auch an der Ausbildung von Lehrlingen. «Das Wissen und die Begeisterung an junge Leute weiterzugeben, ist eine faszinierende Aufgabe», so der Schreinermeister, der im Jahre 1976 zufällig in Fischingen landete und von seiner neuen Arbeit begeistert war. Und die Begeisterung scheint Beda Klaus auch nach bald 30 Jahren Arbeit in der Klosterschreinerei noch kein bisschen abhanden gekommen zu sein.

 



 

 

 

 

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last update: 05.03.05

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