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Bruder Pierre: Familienvater und Töpfer


Bruder Pierre ist ein Spätberufener. Erst vor sechs Jahren trat der gelernte Industriedreher ins Kloster ein; seither betreut der 60-Jährige den Töpfereibetrieb der Benediktinergemeinschaft Fischingen.


Marie-Theres Brühwiler
Fischingen - «Aufhören ist beim Töpfern schwieriger als anfangen», sagt Bruder Pierre, während seine Hände geschickt über den Fisch fahren und dort flink und präzise Augen formen. «Kann man sich zu lange nicht vom Kunstwerk trennen, erwärmt sich der Ton durch die Hände. Dies kann sich beim Brennen negativ auswirken», betont der gelernte keramische Industriedreher. Der in Weinfelden aufgewachsene Peter Hirt lebte lange im Wallis, wo er zum französischen Namen Pierre kam. Er hat sich im Kloster Fischingen direkt neben der St.-Katharina-Kapelle ein eigenes Reich mit einer Werkstatt und einem Ausstellungsraum aufgebaut. Dort widmet er sich seiner Leidenschaft. Bruder Pierre zeigt verschiedenste Beispiele seines Schaffens, die von Fischen, Katzen, Schlangen über Tafelgeschirr und Vasen bis hin zur Darstellung der Klostergründer reichen und verdeutlicht damit, dass hinter jedem Werk eine kleine Geschichte mit Sonnen- und Schattenseiten steht. Dies ist für Bruder Pierre typisch; denn er hinterfragt das Leben und zeigt auch die Schattenseiten auf.


Auch RAV arbeitet mit ihm
In Fischingen hat sich der töpfernde Bruder nicht nur bei seiner Kundschaft einen guten Namen gemacht, sondern wird genauso gerne von Pilgern oder Schulkindern besucht. «Manchmal haben die Kinder nicht einmal Zeit, ihre Rollerblades auszuziehen, schauen mir zu und beginnen selbst mit Lehm etwas zu formen oder führen gar Verkaufsgespräche.» So wie der kleine Junge, der einer Besucherin von einem «absolut perfekten» Werk vorgeschwärmt habe, lacht Pierre Hirt. Auch bei der Regionalen Arbeitsvermittlungsstelle (RAV) gilt die Töpferei in Fischingen als gute Adresse für Praktikumsstellen. Bruder Pierre gibt sein Wissen gerne weiter. Wie bereits zur Tradition geworden, findet in der Klostertöpferei auch in diesem Jahr vom 4. bis 19. Dezember eine Weihnachtsausstellung statt.
Auf die Vernissage freue er sich jeweils ganz besonders, strahlt der Bruder, der regelmässig einen «Töpferbrief» herausgibt und damit auch etwas von seinen Mal- und Schreibkünsten preisgibt. Obwohl Pierre Hirt durch und durch Künstler ist, legt er auch Geschäftstüchtigkeit an den Tag, wie etwa, als er auf die Idee kam, auf den Fenstersimsen vor der Töpferei einen «24-Stunden-Laden» einzurichten. «Die Pilger bringen doch gerne etwas nach Hause mit.»


Eine bewegte Vergangenheit
Während Bruder Pierre geschickt formt, modelliert und dreht, erzählt er von seiner Vergangenheit. Wie er das Töpfern erlernt hatte und im Wallis zusammen mit seiner Frau eine eigene Töpferei betrieb, aber auch dass er mit seinem Motorrad vor vielen Jahren in Fischingen einmal eine Panne hatte und dadurch per Zufall mit den Benediktinern in Kontakt kam. Nach dem Scheitern seiner Ehe und nachdem seine finanziellen Verpflichtungen gegenüber seiner Familie geregelt waren, suchte er für seine zweite Lebenshälfte ein neues Ziel. Er habe unbeirrt nach der für ihn richtigen Lösung gesucht. Auf eindrückliche Art schildert der Bruder auch das grösste Erlebnis in seinem Leben. «Während ich eines Tages meine Schuhe zuschnürte, wurde ich von einem ganz hellen Lichtstrahl durchleuchtet.» Wie ein Blitz habe es ihn durchfahren: «Werde mein Anbeter», durchfuhr es den im evangelischen Glauben aufgewachsenen zweifachen Familienvater. «Ich war zutiefst erschüttert, dass ich eine so klare Antwort erhielt», erzählt der Bruder. Nur wenig später trat Pierre Hirt der katholischen Kirche bei und wurde von der Benediktinergemeinschaft Fischingen als Novize aufgenommen.


Jährlich werden 500 Kilogramm Ton verarbeitet
Bruder Pierre verarbeitet in der Töpferei des Klosters Fischingen jährlich rund 500 Kilogramm Ton zu Tafelgeschirr, Vasen und vielen anderen Kunstwerken.
Wenn der Mönch seine Kunstwerke geformt, modelliert und gedreht hat, müssen diese rund drei Wochen bei Raumtemperatur austrocknen. Dann schiebt Bruder Pierre die Kunstwerke für 48 Stunden in den auf rund 1000 Grad erhitzten Ofen. Dann macht sich der Bruder an die farbliche Gestaltung und trägt die Glasur auf. Dies sei die schwierigste Phase, denn es gelte, nicht nur die optimale Farbgebung zu finden, sondern sich auch zu überlegen, wie man das fertige Kunstwerk frisch glasiert für den Glasurbrand erneut in den Ofen bringe. Nach 48 Stunden im Ofen werden die Werke langsam ausgekühlt und später zum Verkauf ausgestellt, so Bruder Pierre. (mtb.)

 



 

 

 

 

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last update: 05.03.05

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