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Mönche unterrichten nicht mehr
Als der Verein St. Iddazell im Jahre 1879 gegründet wurde, stand die Führung eines Kinderheims im Vordergrund. Heute bietet der Verein für geistig leicht behinderte wie auch für verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche ein vielseitiges Schulangebot.
Marie-Theres Brühwiler
Fischingen - «Ich gehe seit acht Jahren in die Sonderschule Chilberg zur Schule, bin unter der Woche auch hier zu Hause, und es gefällt mir sehr gut», erzählt Christian, während er voller Elan durch die Wohngruppe Feuervogel führt. «Schauen Sie doch einmal in mein Zimmer, ich habe eben gerne Ordnung», verkündet der 14-Jährige, der in der zehnköpfigen Wohngruppe als Leader gilt, nicht ohne Stolz. «Natürlich geht es bei uns nicht immer so friedlich her und zu», weiss die Miterzieherin Angela Bodul, die in der Gruppe Feuervogel gerade Dienst hat. Im Chilberg stehen 80 Sonderschulplätze, davon 40 in den Tagesgruppen Garfield, Kolibri, Sunneland und Tabaluga sowie 20 in den Internatsgruppen Feuervogel und Rägeboge zur Verfügung. Zehn Kinder und Jugendliche wohnen und lernen in der Wohnschule Sirnach. Die Jugendlichen nutzen als Tagesschüler oder als Internatsschüler die Berufsvorbereitungsklasse in Sirnach. Das Krempelschulhaus in Fischingen gehört ebenfalls als externes Schulzimmer zum Chilberg. «Das Angebot an Schulungs-, Therapie- und sozialpädagogischen Lebensformen ist bewusst breit und vielseitig», betont Elisabeth Zecchinel, die die Schulen seit rund zehn Jahren leitet.
Rund um die Uhr betreut
Lange, bevor die Sonderschule Chilberg im Jahre 1976 durch den Verein St. Iddazell gebaut wurde, bestand im Kloster Fischingen bereits ein Realschulinternat für Knaben. Die «Klöschti», wie man sie im Dorf bezeichnet, werden wenn möglich im Realschulstoff der Regelklasse unterrichtet. Weil die Klassen kleiner sind, ist eine individuellere Betreuung auf allen Ebenen gewährleistet. Derzeit unterrichtet an der Schule kein Mönch mehr. Seit der langjährige Schulleiter Alfons Fust pensioniert wurde, hat Elisabeth Zecchinel auch in der Realschule das Zepter übernommen. Insgesamt werden in den Schulen des Vereins St. Iddazell über 100 Kinder im Alter zwischen 7 und 18 Jahren und mit verschiedensten Lern- und Verhaltensproblemen unterrichtet und teilweise rund um die Uhr betreut.
Zusammenarbeit mit dem Kanton
Sind die ordentlichen Schuljahre abgeschlossen, heisst es, die Jugendlichen in einen Beruf einzugliedern. Da nicht alle Jugendlichen nach der obligatorischen Schulzeit die berufliche Reife schon erreicht haben, hat der Chilberg in Zusammenarbeit mit dem Kanton die Berufsvorbereitungsklasse (BVK) geschaffen. Die BVK wird teilweise von ehemaligen Schülerinnen und Schülern aus dem Chilberg wie auch von Jugendlichen aus anderen Sonderschulen oder Sonderklassen aus dem Kanton Thurgau besucht.
Beiträge von der Invalidenversicherung
Der Chilberg wie alle zum Verein St. Iddazell gehörenden Schulen sind von der Invalidenversicherung anerkannte Schulen. Daher setzen sich die zur Verfügung stehenden Gelder aus den Leistungen der Invalidenversicherung, den kantonalen Beiträgen und den Elternbeiträgen zusammen. Heilpädagogen, Therapeuten und Sozialpädagogen arbeiten eng zusammen. «Fischingen ist für uns ein echtes Kompetenzzentrum; die durch den Verein St. Iddazell geführten Schulen geniessen im Kanton einen sehr hohen Stellenwert», betont Herbert Wyss, Leiter des Pädagogisch-Psychologischen Dienstes des Kantons Thurgau. (mtb.) |
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