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Ein ganzes Leben in einem Tag

Einen Tag lang hat Fotografin Susann Basler Bruder Leo im Kloster Fischingen begleitet. Die Ausstellung mit ihren Bildern in der Bibliothek ist verlängert worden. Am letzten Tag werden alle verschenkt.

Dieter Langhart

Fischingen - Nicht mehr viel Schnee lag in Fischingen, der 21. Februar war ein blau-sonniger Tag. Wars ein Tag wie jeder andere? «Ja und nein», sagt Bruder Leo. Die gut 70 Fotografien zeigen Typisches und Einmaliges: zeigen, was täglich so oder ähnlich vor sich geht und was nur zu jenem Tag gehört. Die Fotografin Susann Basler hat der Ausstellung den schlichten Titel «21. Februar 2006» gegeben; erst der Zusatz «Ein Tag im Leben von Bruder Leo im Kloster Fischingen» heftet den Tag und den Menschen fest.
Bruder Leo wünschte Aufnahmen von sich, ein Wort ergab das andere, am Ende stand der Wunsch, eine Ausstellung für die Nacht der Klöster am 5. Mai zu schaffen. Die Fotografin begleitete den Benediktinermönch einen Tag lang auf Schritt und Tritt. Wie ein Schatten? «Nein, sie blickte mir über die Schulter.»

Unaufgeregte Momentaufnahmen
Als er mit ihr die über 200 Fotografien sichtete, die in Frage kamen für die Ausstellung (jede dritte hängt jetzt vor den Bücherschränken), bemerkte Bruder Leo Eigenheiten an sich, die ihm kaum bewusst waren, etwa wie er die Hände faltet vor seinem Habit. Jetzt konnte er sich selber über die Schulter schauen. Nicht ganz einfach war es für ihn, zu den intimen Momenten zu stehen: neben dem aufgeschlagenen Bett stehend, Zwiesprache haltend mit Gott.
Fünf- bis sechsmal die Woche führt Bruder Leo Besucher durch die Bibliothek, die Reaktionen sind durchwegs positiv. «Die Leute mögen sie, es sind gute Bilder», sagt er. Die Fotografin zeigt, was da ist: Bruder Leo allein und als Mitglied der Gemeinschaft; bei der stillen Andacht und wie er mit Jugendlichen lacht, wie er auf den Estrich steigt oder in der Schreinerei wirkt; Bruder Leo im Ordenskleid und in Jeans und Sweatshirt. In der Gesamtheit der sechs Dutzend Bilder wird ein Mensch sichtbar. Nicht etwa ein zweigesichtiger Mensch mit einer religiösen und einer weltlichen Seite oder einer zweigeteilten Seele oder gar ein Weltfremder.
Susann Baslers Bilder sind unaufgeregt, aber nie dem Zufall überlassen - aus ihnen spricht die Pressefotografin. In jeder der Aufnahmen steckt mehr als nur genaue Beobachtung und das Gespür für den richtigen Augenblick, steckt der Sinn für Stimmungen, Haltungen - so arbeitet die Porträtistin. Und immer wieder richtet Susann Basler den Blick zur Seite, auf die andern oder das (scheinbar) Nebensächliche. Flüchtig wie der Augenblick endet auch die Ausstellung: die Bilder werden verschenkt. Ein Fotoband wird bleiben, der nicht deckungsgleich ist mit der Ausstellung. Er existiert (vorläufig?) in zwei Exemplaren.



 

 

 

 

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last update: 30.09.06

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