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Fischinger Mönche jubilieren
Vor 25 Jahren wurde das Kloster Fischingen feierlich wiedereröffnet.
Am Sonntag, 1. September, wird deshalb eine grosse Feier veranstaltet.
Robert Borer
Fischingen - Die Wiederbelebung des Klosters durch Mönche im
Jahre 1977 war schon lange der Wunsch kirchlicher Instanzen. Bereits 1943 entsandte
das Kloster Engelberg auf Wunsch des aus Sirnach stammenden Bischofs von Basel,
Franz von Streng, zwei Patres nach Fischingen, wo sie die Leitung des damals
noch in den Klosterbauten befindlichen Kinderheimes übernahmen. Weitere
Patres folgten als Lehrer und Erzieher. Man dachte an die Errichtung eines
Klosterbetriebes.
Dem stand aber der in der Bundesverfassung von 1848 verankerte Ausnahme- oder
"Klosterartikel" im Wege, der die Neugründung oder Wiedereröffnung
früher aufgehobener Klöster verbot.
Nach der Abstimmung und weiteren Schritten sowie vielen Verhandlungen mit diversen
kirchlichen Instanzen war es am 28. August 1977 so weit, dass mit diesem Datum
die rechtliche Wiedererrichtung des Klosters Fischingen in feierlicher Form
vorgenommen werden konnte. In sichtlicher Freude leitete Bischof Anton den
Festgottesdienst, und Abt Leonhard Bösch vom Kloster Engelberg, aus dem
die in Fischingen einziehenden Mönche kamen, hielt die Festpredigt und
setzte Pater Florin Cavelti als ersten Prior des wieder hergestellten Klosters
Fischingen ein.
Rechte und Pflichten
Seit dem 28. August 1977 ist Fischingen wieder eine selbstständige
Benediktinerabtei mit entsprechenden Rechten und Pflichten gemäss der
über 1000-jährigen Benedikterregel "ora et labora" (bete
und arbeite). Zurzeit bilden acht Mönche den Fischinger Konvent. Für
die Leitung des Klosters ist der Prior verantwortlich, der mit einem Abt gleichzusetzen
ist. Sobald der Konvent zwölf Mönche zählt, besteht die Möglichkeit,
statt des Priors einen Abt zu wählen. Der erste Prior nach der Klostereröffnung
war Pater Florin Cavelti, der im Alter von 75 Jahren zurücktrat.
Sein Nachfolger wurde 1993 Pater Leo Müller aus dem Kloster Disentis,
der seither als Prior dem Kloster vorsteht.
Die Fischinger Mönche sind, sofern sie die Priesterweihe empfangen haben,
als Patres in der Seelsorge oder in der Leitung des 1982 eröffneten Bildungshauses
tätig. Dieses wurde nach einer gründlichen Renovation in den Klosterräumen
eingerichtet, in denen sich früher das Kinderheim befand. Dieses war ja
1976 in das im gleichen Jahr neu errichtete Sonderschulheim Chilberg übergesiedelt.
Aus der Geschichte des Klosters
Im Jahr 1138 gründete der Konstanzer Bischof Ulrich II. in seinem Herrschaftsbereich
am Oberlauf der Murg im heutigen Fischingen ein Kloster und besiedelte es mit
Benediktiner-mönchen.
Nach einer anfänglichen Blütezeit zählte der Fischinger Konvent
bis ins 17. Jahrhundert hinein kaum mehr als zehn Mönche. Diesen oblag
nebst dem klösterlichen Leben die Seelsorge in Bettwiesen, Dussnang, Bichelsee,
Sirnach und Fischingen.
Die Reformation führte zu einem mehrjährigen Erlöschen des Klosterlebens
in Fischingen, nachdem Abt Heinrich Stoll 1526 zur neuen Lehre übertrat
und heiratete. Seinem Beispiel folgten noch weitere vier Mönche. Bereits
1540 wurde das Kloster wieder eröffnet und erlebte während fast 300
Jahren eine neue Blütezeit mit durchschnittlich 30 Mönchen. Unter
Abt Joachim Seiler wurde die neue Klosterkirche (1685-1687) erbaut. Abt Franz
Troger liess ab 1705 die prachtvolle Iddakapelle erbauen. Niklaus Degen gilt
als der grosse barocke Bauabt Fischingens.
Er erweiterte die Kirche und liess die heutigen symmetrisch durchdachten, formschönen
Klosterbauten im Osten und Westen errichten, während die früheren
Bauten aus den Jahren 1577 und 1635 wegen der hohen Schuldenlast des Klosters
bestehen blieben. Während das Kloster die Zeit der Französischen
Revolution noch gut überstand, beschloss der Thurgauer Rat am 27. Juni
1848 die Aufhebung aller Klöster. Nach diversen Besitzerwechseln in den
folgenden Jahren gründeten 1879 beherzte Männer den Verein St. Iddazell,
welcher die Klostergebäude mit Grund und Boden erwarb und darin die katholische
Waisen- und Erziehungsanstalt errichtete.
Dieser Verein ist auch heute noch Besitzer aller Klosteranlagen von Fischingen.
Der Unterhalt von Kirche und Iddakapelle ist Sache der Katholischen Kirchgemeinde
Fischingen.
Das Kloster Fischingen zählt zu den wertvollsten Kulturgütern der
Schweiz. Besonders zu erwähnen ist die prachtvolle Iddakapelle, in der
die aus dem Toggenburg stammende heilige Idda begraben ist. Ihr Grabmal wurde
1496 errichtet. Es ist das älteste Monument in Kirche und Kloster.
Die Abstimmung
In der eidgenössischen Abstimmung vom 20. Mai 1973 beschloss das Schweizervolk,
alle gegen die katholischen Orden gerichteten Verfassungsbestimmungen aufzuheben.
Damit war nicht nur das Jesuitenverbot abgeschafft, sondern auch der so genannte
"Klosterartikel". Dadurch wurde es möglich, in Fischingen wieder
eine Klostergemeinschaft einzurichten. (rob.)
Das Festprogramm
Die Jubiläumsfeier beginnt am Sonntag, 1. September, um 9.30 Uhr mit
einem Festgottesdienst in der Klosterkirche, zelebriert von Abt Berchtold Müller
vom Kloster Engelberg. Die Predigt hält Pater Bruno Keller, Guardian des
Kapuzinerklosters Wil. Um 15.30 Uhr wird Gelegenheit zur Mitfeier der Vesper
im oberen Chor der Klosterkirche geboten. (rob.)
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