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Bericht der kant. Denkmalpflege zur Turmrenovation
Fischingen, Klosterkirche
Turm |
Stand 18.3.2001
4890 Zeichen |
Gebäude Nr. 66
Aussenrestaurierung
Baugeschichte und Beschreibung
Der Turm der Klosterkirche Fischingen wurde 1587 von Abt Christoph Brunner
errichtet, Abt Franz Troger erhöhte ihn 1727 ein erstes Mal, um ihn der
neuen Iddakapelle anzupassen. Diese Aufstockung trug Jakob Grubenmann 1751
ab, erhöhte den Schaft um 25 Schuh und setzte dem Turm eine "zweifache
Kuppen" auf. Damit sollte wohl für den beabsichtigten Klosterneubau
ein adäquater Blickfang zum Tal hin geschaffen werden.
Vermutlich im 19. Jahrhundert erhielt der Turm ein neues Farbkleid mit einer
grauen Eckquadrierung. Sie wurde 1934 anlässlich einer Renovation entfernt,
die mit einem rauhen, alles überdeckenden Putz die "unnötigen"
Elemente, wie Fensterrahmen, Profile und Eckquader beseitigte.
Als vierte Etappe in der Aussenrestaurierung des Klosters Fischingen begann
man 1979 mit der Restaurierung des Turms. Der Besenwurfverputz der dreissiger
Jahre diente dabei als Grundputz für den neuen Deckputz aus Weisskalk
mit Zementzusatz. Der Befund einer lachsfarbenen Architekturgliederung mit
rebschwarzen Begleitlinien wurde in Zweikomponenten-Mineralfarbe nachvollzogen,
so dass der Turm wieder zum Partner der schon 1962 restaurierten Iddakapelle
wurde.
Rahmenbedingungen
Bereits drei Jahre nach der Restaurierung zeigten sich erste Schäden an
der neuen Fassung des Turms, doch verzichtete man zunächst auf Massnahmen.
Als 1998 grössere Putzschäden in luftiger Höhe unübersehbar
wurden, liess sich eine erneute Sanierung nicht weiter hinausschieben. Allerdings
erlaubte erst das Baugerüst vertiefte Abklärungen am Turm. Das von
nahem erkennbare Schadensbild war um einiges komplexer als erwartet und musste
zuerst interpretiert werden: Vor allem auf der Südseite des Turms war
die Farbschicht in rundlichen Stellen abgeplatzt, Algen verfärbten den
Anstrich und fanden sich auch zwischen Farbschicht und Putz, der Putz war im
Bereich des grossen Gesimses stark geschädigt. Zwei grosse Risse quer
durch die Turmschale erlaubten den Durchblick von innen nach aussen.
Mit Unterstützung durch das Labor des Instituts für Denkmalpflege
der ETH Zürich und durch die EMPA St. Gallen gelang es, die besorgniserregenden
Phänomene zu ordnen und das Schreckgespenst von alles verseuchenden Algen,
die sich im feuchten Klima von Fischingen zwischen Putz und Malschicht ausbreiten
und die Farbe absprengen, ins Reich der Märchen zurückzuverbannen.
Offenbar waren einige barocke Kühnheiten mit Ausführungsmängeln
der letzten Restaurierung, aber auch mit unglücklichen Umständen
zusammengetroffen. Die grosse Kuppel vom Ausmass eines kleinen Einfamilienhauses
hatte bisher weder Dachrinne noch Ablauf besessen, so dass bei starkem Regen
die Wassermassen ungehindert auf das grosse Gesims stürzten, das vom alten
Turmschaft auf die zurückspringende barocke Aufstockung überleitet.
Obwohl im Kostenvoranschlag vorgesehen, hatte man 1980 auf eine Bleckabdeckung
des Gesimses verzichtet. Wetterseite in Fischingen ist nicht Westen, sondern
Süden, dort wurde denn auch der Putz am meisten geschädigt. Im Mikrobereich
war dagegen die Schadensursache des Anstriches zu suchen. Unter dem Mikroskop
zeigte sich, dass man bei der letzten Restaurierung nicht etwa unterlassen
hatte, die Sinterschicht des Kalkputzes vor dem Anstrich zu entfernen, sondern
vielmehr in bester Absicht eine zu dichte Wasserglasgrundierung aufgebracht
hatte. Wohl schon bald nach der Restaurierung wurde anscheinend der Anstrich
zusätzlich durch Hagelschlag geschädigt, so dass sich die Farbschicht
stellenweise von der Grundierung löste. In die Schadstellen konnte Wasser
eindringen, Flechten breiteten sich aus.
Konzept und Restaurierung
Türme bezahlen ihren Wahrzeichencharakter damit, dass sie ungeschützt
allen Unbilden der Witterung ausgesetzt sind. Damit muss sich jede Bauherrschaft
abfinden. Umso wichtiger aber ist es, dass alles vorgekehrt wird, um das anfallende
Regenwasser sorgfältig abzuleiten. Glücklicherweise hatte sich die
barocke Kupferverkleidung der Zwiebel samt den Reparaturen gut gehalten. Dachrinnen
wurden angebracht, aus ästhetischen Überlegungen führen die
Ablaufrohre zunächst ins Innere des Turms und von dort in das bestehende
Wasserschloss zwischen Turm und Iddakapelle. Das im Kern aus Tuffsteinen bestehende
grosse Gesims erhielt eine Abdeckung aus Chromstahlblech, darunter umspannt
ein Eisengurt zur statischen Sicherung den Turm.
Nachdem die Schadensphänomene geklärt waren, kam man zur Überzeugung,
dass der vor gut zwanzig Jahren verwendete reine Mineralfarbanstrich auf 70-80%
der Oberfläche intakt war. Er befriedigte nicht nur ästhetisch, sondern
war auch noch immer regendicht. Mit Flechten, den Indikatoren für saubere
Luft, wird man im waldigen Fischingen auch in Zukunft leben müssen. Man
konnte also ruhig auf die Allerheiligen-Litanei der heutigen Baustoffindustrie
verzichten, die da heisst: vergütete Putze, Anstriche mit Kunststoffzusatz,
Hydrophobierung, Algenschutz. Nach der Reparatur der schadhaften Putzstellen
wurde auf der übrigen Anstrichfläche zur Desinfektion ein Algizid
aufgebracht, abgespült und wieder mit Zweikomponenten-Mineralfarbe gestrichen.
So sollten auch zukünftige Renovationen nicht erschwert werden.
BSR
Bauherrschaft
Katholische Kirchgemeinde Fischingen
Architekt
Robert Bamert, St. Gallen
Denkmalpfleger
Jürg Ganz,
Beatrice Sendner-Rieger
Bundesexperte
Georg Carlen, Luzern
Fachexperten
Gallus Gmür, St. Gallen, Statik
Paul Raschle, St. Gallen, Mikrobiologie
Konrad Zehnder, Zürich, Technologie und Konservierung
Bauzeit
Mai 1999 - Herbst 2000
Einstufung
national
Bundesschutz
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